Editorial Heft 84

„Ein dauerndes Wiederholen derselben Geschichte, mit denselben Worten: Das ist Literatur, das ist literarisches Erzählen. Genau da, wo es nichts Neues zu sagen gibt, hilft nur noch das Erzählen. Da geht es dann nicht mehr um eine Information, da geht es um die sprachliche Feier“, so charakterisiert der große Erzähler Peter Bichsel in dem Gespräch mit Beat Mazenauer die Eigenart des Erzählens, ja der Literatur. Beat Mazenauer, ein Kritiker und ausgewiesener Kenner der Schweizer Literaturlandschaft, hat für diese Ausgabe des OSTRAGEHEGES ein Schweiz-Dossier zusammengestellt, das in diesen Literaturkontinent einführt und sich mit interessanten neuen Autoren aus der Schweiz in den deutschen Literaturdiskurs einmischt. Wir freuen uns sehr, diese Texte präsentieren zu können und möchten damit den Blick der Leserschaft auf die Entwicklungen im Nachbarland lenken.

Gemeinsam mit der Schweizer Kulturstiftung Pro Helvetia, der die Redaktion an dieser Stelle ausdrücklich dankt, hat die Literarische Arena e. V. zudem die Dresdner Lesereihe „Schweiz direkt“ initiiert, deren Gäste Annette Hug, Jonas Lüscher und Melinda Nadj Abonji waren.

Neben dem Schwerpunkt Schweizer Literatur werden im neuen Heft mit Róža Domašcyna auch die sorbische Literatur, mit Jean-Baptiste Para die französische und mit Aleksander Nawrocki die polnische Literatur in den Blick genommen. OSTRAGEHEGE erinnert zudem an den bedeutenden sorbischen Dichter Jurij Khěžka, dessen 100. Geburtstag in diesem Jahr begangen wird. Seine Erzählung „Raubvogel“ wurde für OSTRAGEHEGE erstmals von Róža Domašcyna ins Deutsche übersetzt.

Franz Hodjak zeigt mit seiner Erzählung „Im Schloßpark“, mit der die neue Ausgabe beginnt, dass das Thema Migration und Integration auch mit philosophisch durchtränktem Humor bewältigt werden kann.

Im Kunstteil wird die Dresdner Künstlerin Kerstin Franke-Gneuß vorgestellt, deren jüngste grafische Blätter Heinz Weißflog als „subtile Aneignung der Form“ und „in die Fläche gegrabene Skulpturen“ beschreibt.

Jayne-Ann Igel übernimmt mit diesem Heft die Lagebesprechung als Gastredakteurin. In ihrem ersten Beitrag präsentiert sie die Dichterin Undine Materni, deren poetisches Verfahren „die Ambivalenz, Vielschichtigkeit, die Dingen, Vorgängen eigen ist, transparent macht“.

Mit dieser Ausgabe gratuliert die Redaktion von OSTRAGEHEGE dem Kunstkritiker Eduard Beaucamp ganz herzlich zum 80. Geburtstag. Seine besondere Aufmerksamkeit und Wertschätzung galt und gilt der in der DDR entstandenen bildenden Kunst, vor allem den Künstlern der Leipziger Schule. Über „das Fortdauern des Narrativen in der Malerei“ fand in Dresden ein Podiumsgespräch zwischen Eduard Beaucamp, dem in Dresden arbeitenden Künstler Hubertus Giebe und dem Direktor der Museen der Stadt Dresden Gisbert Porstmann statt, das Sie in dieser Ausgabe nachlesen können.

- Die Redaktion -

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