Gregor Kunz

Zikaden, Zikaden

                                                                                                               nach Anakreon

 

Morgenstimmen, Anhub taugenährter Geister, schwarz nicht sichtbar und weiß

    auch nicht.

Lärm folgt Lebenden, wohnt mit dem Hunger im Gesang ... Sie hätten keine Furcht,

kein Blut, das altert, keine Fragen, die den Sommer überstehen, schwer genug

    und lang. 

So waren Sommer, lang im Anfang dieses Kindes, glücklich oder nicht.

    Was ich nicht weiß

 

Wer gegangen ist, geführt von Händen und geschoben durch die Korridore,

mit vielen durch den Schlick der weiß geschlämmten Farben. Kerbholz reibt,

mit stumpfer Klinge über Borken fährt, aus und in die Haut. Was ist das?

Ich sollte wissen, wer die Knochen reibt, sie reiben lässt in Bäumen,

singen, seit die Götter tot sind, hinterm Mond Verluste zählen, leidlos.

Lese in der Zukunftszeitung: Im kurzen Atem der Zikaden die sich widerrufen

Märchen, alte, und Geschichten, von Gewalt und Fluchten, neue. Höre in den Broten

Stöhnen, spüre in der Stille Zähneknirschen, Klappern, eingehalten; es wird lauter

 

Dies Schwirren durch die Sonnenflecken, der Zufallskörper, einzig; es war

    Wiederkommen, ist Vergehen.

In den Abendstimmen endlich, ins Verdämmern überm Laub, in die wohlbekannte

    Starre;

Angst, ihr Lieben, vor der Nacht der Drachen, Schlangen, Hunde,

    vor den grauen Katzen, die nicht hier sind.

Hüte dich. Partisan im Film Noir, Detektiv im Niemandsland, leise geht’s

    durchs Dunkle, stimmlos

 

Dazu gehören, wer denn nicht... Sie halten es für weise, sage ich.

In Stimmen Stimmen sprechen unverstanden Wahres, in Stimmen,

die mich haben, meine spricht, nicht die erste und die letzte auch nicht. 

Zieht sich der Schwarm und schiebt in die kommende Nacht,

die einen Takt hat, den Takt, der gewesen. In Jubel, Lob und Klage.

Gepriesen sei! Es gilt ihnen scheint es für Singen

 

Sie nutzen den Tag und die Nacht.

Kluge Räder in Maschinen.

Lachen, aber weinen nicht.

Götter sind leicht zu erkennen.

Hüte dich, hab acht!

Arbeit, es muss Arbeit sein,

am Netz, das den Tag fängt.

Von den Bewegten bewegt,

es schwingt

 

Gib den Befehl, Kapitän.

Der ist schon gegeben,

aber du weigerst dich noch

 

Chorefto/Dresden, Aug. 2017

 

(Zitate: W. Hilbig „Palimpsest“, und A. Endler „Dies Sirren“)

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