Francesco Micieli

Kindergedichte

 

Bauernhof

 

Das Kind steigt auf den Traktor

Es ist zu gross

Der Traktor kippt

Die Holzkühe sind

Unruhig und muhen

Das Kind geht

In Eile

Zur Telefonkabine

Aus Plastik

Wählt die Nummer

Und spricht mit dem Tierarzt

Bitte kommen Sie sofort

 

 

Das Meer

 

Die Heizkörper

In deinem Zimmer

Sind Fische

Sagst du

Dein Bett

Ein verzaubertes Boot.

Deine Mutter glaubt

Dir nicht, im fahrenden Tram,

Aber du weisst

Wenn du deine Zimmertür öffnest

Wird das Meer da sein.

 

 

Der Panther

 

Heute ist der Panther gefährlich

Niemand darf ins Zimmer

Gar kein Mensch

Die Mama

Auch nicht

Ausser sie verkleidet sich

Und tut so als sei sie

Die Panthermutter

 

 

Im Zug

 

Die Kinderbetreuung im Zug

Tut so als wären da Kinder zu betreuen

Auf dieser Strecke fährt es sich schnell

Über 300 Stundenkilometer

Die Kinder machen mit

Sie tun so als ob sie betreut würden

Und betreuen ihrerseits

Die Betreuenden

Ganz treu

Bellt dein Plüsch-Hund

Und alle schauen kurz auf.

 

 

Ausgehend vom Buch „Das Kind als Medium der Erziehung“ von Niklas Luhmann habe ich versuchte, die Sätze so zu schreiben, als wären sie von einem späten Kind gedacht, von einem Kind zum Beispiel wie mein Vater gegen Ende seines Lebens eines war.

Kindergedichte sind nicht in einem strengen Sinne Gedichte, falls es diesen „strengen Sinn“ überhaupt gibt; es sind Sätze, so gesetzt, wie ein spätes Kind sie setzen würde.

Kindergedichte handeln aber schon von Kindern, das ist wichtig!

Meine Kindergedichte beschreiben, um es mit Lyotard zu sagen, „keine Begebenheiten der Kindheit, sondern suchen die Kindheit, die Unmündigkeit des Ereignisses zu greifen“.

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