Andreas Altmann

bühne

 

gesänge kommen aus dem wald, hellen

die bäume auf, die dunkel zueinander stehen.

davor kreist ein milan über der wiese,

auf der sich weiße kleider in den körpern drehen,

vom licht bestickt, vertanzen sie die zeit.

luft löst sich in diesen stimmen, atmet auf.

die gerste ist schon reif und hat ihr gelbes tuch

an land gezogen. der sprung des rehs zerschellt

an einer wand, die ich nicht sehen kann,

in einem hall, von dem der traum erwacht.

hinter der tür singt mutter an dem bett ein lied,

in dem ich frier. und vater schießt durchs fenster

glas in sein gesicht. das gras steht höher als der zaun.

ein hase springt mir auf dem weg entgegen,

bis er mich sieht. und immer wieder höre ich

den schuß in weiter ferne, der mir sie näher bringt.

die bühne vor dem wald bleibt aufgebaut.

in alle winde ist das lied verschneit.

   

 

 

tauben und krähen

nasser schnee liegt im grasbett, löst sich

in träumen, in denen ich keinen schlaf finde.

rehe fliehen über weiße felder. stille trägt

gedanken, die über ihre grenzen gehen.

sie verengen sich bei ihrem anblick. wasser

tropfen sammeln sich an kiefernnadelspitzen,

halten den augenblick an. ich sehe in schwere

dunkle augen. sie führen ins grundlose. auf

dem waldboden folge ich amselspuren, die sich

in luft auflösen. geräuschlos wanken baumkronen.

und regnen ihr licht in die dämmerung. auf

hochsitzen sind gewehre angelegt. ungezählt

treiben tiere aus den bäumen. manche stämme

tragen rote kreuze. überfüllt sind die waggons

der nahenden züge. auf ihnen sitzen tauben

und krähen, als würden sie etwas erwarten.

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